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„Leck mich an de Täsch“

Sonntagmorgen um 11 ist Fußball noch unmodern. Es gibt Tee (grün, Waldbeere oder schwarz) für einen Euro, am „Merchandise-Stand“ (O-Ton Stadionsprecher) liegen zwei Fahnen und drei Mützen zum Verkauf und die Spielerinnen benutzen in der Pause dieselben Toiletten wie die Zuschauerinnen. Sonntagmorgen spielen Frauen Fußball. HSV gegen 1. FC Saarbrücken. Die Wolfgang-Meyer-Sportanlage in der beschaulichen Stellinger Kleingartenanlage ist mit 234 ZuschauerInnen gefüllt. Das gute Dutzend Auswärtsfans, das „trotz Aschewolke“ angereist ist, macht die zahlenmäßige Unterlegenheit durch lautstarken Support mehr als wett. Das mag auch daran liegen, dass der HSV im unteren Mittelfeld der Tabelle herumdümpelt, während es beim FCS, der Fahrstuhlmannschaft der Liga, gegen den Abstieg geht. So werden die hanseatisch zurückhaltenden Heimfans mit saarländischem Liedgut erfreut oder – je nach Temperament – verstört: „Blau-schwarz, allez allez“ und „Wir schlafen nicht auf Betten, wir schlafen nicht auf Stroh. Wir schlafen auf Paletten – das ist im Saarland so“ erschallt von der Tribüne.

Auf dem ziemlich ramponierten Platz zeigen die Frauen aus dem Saarland, dass sie noch nicht bereit sind, die 1. Liga wieder zu verlassen. Insbesondere Distanzschüsse der Nummer 19, Selina Dambier, werden für den HSV gefährlich. Auf der anderen Seite beweist Europameisterin Kim Kulig ihre Durchsetzungskraft und an der rechten Außenbahn rennt die kleine und flinke Maja Schubert auf und ab. Aber in die Pause geht es ohne Tor.

Den zweiten Abschnitt verbringe ich im „Auswärtsblock“. Auf dem Feld überlassen die Hamburgerinnen ihren Gästen weitgehend das Spiel, denen fehlt jedoch die Genauigkeit und vielleicht auch der letzte Mut zum gelungenen Abschluss. „Leck mich an de Täsch“, ruft jemand in Mundart. Was immer es heißt, es klingt nicht gut. Dabei wäre ein Null-zu-null für den FCS gar nicht schlecht, man wäre damit zwei Zähler vom Abstieg entfernt. Doch die Fußballgöttin ist ein wankelmütiges Geschöpf. Der Punkt, der verdient gewesen wäre, wird den Saarländerinnen wieder entrissen. In der 86. Minute fällt nach einem Freistoß das 1:0 für den HSV, Torschützin ist Imke Wübbenhorst. Eine Frau mit FCS-Schal rutscht verzweifelt von ihrem Sitz. Alle aufmunternden Rufe helfen nichts mehr. Der 1. FC Saarbrücken verliert unglücklich in Hamburg. Neben mir fließen Tränen.